Der Pulverdampf
…legt sich langsam und schon jetzt lassen sich die Trümmer der Argumente gut besichtigen. Es sind die Argumente die jedesmal ins Feld geführt werden um zu begründen warum ein Mensch aus unserer Gesellschaft radikal und extrem ausklinkt.
So wie jetzt in Winnenden bei Stuttgart geschehen. 16 Tote sind gezählt und sie sind noch nichtmal unter der Erde, da hat das Lamentieren über die vermeintlichen Ursachen schon begonnen. Es hat keine 24 Stunden gedauert bis der erste Politiker das Unwort „Killerspiele“ in den Mund genommen hat um seine ansonsten dünne Argumentation aufzupeppen. Ich nenne „Killerspiele“ bewußt ein Unwort, es ist eine typische Politikererfindung, entstanden aus dem Unvermögen und Unwillen eine Sache genau und konkret zu bezeichnen, Politikerniveau halt. Ganz streng genommen sind es FPS oder First Person Shooter, grob übersetzt würde es „Aus-der-ich-Perspektive-Ballerspiel“ bedeuten. Ist auch nur eine oberflächliche Beschreibung dessen, aber hey, letztendlich sind es Politiker die mit Begriffen wie „Killerspiel“ um sich schmeißen, wir wollen die Damen und Herren mit sowas schnöden wie Differenzierung und Präzision nicht aufhalten, das ist doch eher was für Experten.
Keine zwei Tage hat es gedauert und es wurde die übliche Palette an „guten Ideen“ zur Bewältigung der Krise heruntergebetet, mit was neuem sogar. Zum einen hätten wir da den Klassiker, „Killerspiele verbieten!“. Jaahaaa, Freunde der Nacht, laßt euch was gesagt sein, wenn ein Politiker in so kurzer und prägnanter Sprache das Verbot irgendeiner Sache fordert dann ist eines schon klar: er hat keine Ahnung von der Materie, will sich nur wichtig machen und/oder es ist Wahlkampf, manchmal sogar alles auf einmal.
Auch alt sind die Spekulationen über den Geisteszustand von Tim K., kaum einer hatte persönlich mit ihm zu tun, aber alle wissen was ihn getrieben hat und wie seine Seelenlage ausschaut. Experten landauf und landab geben sich in den Talkshows dieser Republik die Klinke in die Hand und analysieren und interpretieren diese Tat.
Von „Amoklauf“ und „Wahnsinnstat“, vom „Unerklärlichen“ und „Unfaßbaren“ ist die Rede, doch die Begriffe täuschen. Amok oder amuk wie es im malaiischen Original heißt bedeutet soviel wie wütend oder rasend. Eine „Wahnsinnstat“ war es auch nicht, hier ist nicht jemand losmarschiert der nicht wußte oder steuern konnte was er tat. Unfaßbar und unerklärlich ist die Tat auch nicht, ich fürchte es gibt eine Erklärung für das Geschehene, nur schmecken wird sie nicht.
Erstens, es war kein Amoklauf, es war kühl berechneter und geplanter Massenmord. Zweitens, Tim K. war nicht verrückt, er wußte ganz genau was er tat. Vor gar nicht allzulanger Zeit wäre er alt genug gewesen für sein Vaterland in den Krieg zu ziehen und wirklich viele Menschen zu töten. In dem Sinne trägt er bewußt die Verantwortung für sein Handeln. Drittens, die sogenannten „Killerspiele“ haben nichts, aber auch rein gar nichts mit der Tat zu tun.
Wer glaubt man müße nur jung sein, tagtäglich und stundenlang vor der Daddelkiste hocken und das alleine reicht schon um den Verstand zu verlieren, den muß ich enttäuschen. So einfach ist das nun auch wieder nicht. Wer das glaubt der behauptet das das Hören von Heavy Metal Musik einen echt böse macht (so mit Katzenschlachten, Teufelsanbetung und geilen Sexorgien). Der glaubt wahrscheinlich auch das man vom masturbieren einen krummen Rücken und Haare auf der Handinnenfläche kriegt. Sicher glaubt er aber daran das dieser Blog hier in Wirklichkeit ein rückwärts geschriebener Schwulenporno ist. Absurd? Übertrieben? Ganz und gar nicht, zu jeder Zeit fand die Welt der Erwachsenen einen Sündenbock um sich das teilweise unverständliche Handeln der Jugendlichen zu erklären, so auch heute. Früher aber fand man Jugendliche nur schrecklich, lästig und irgendwie klotzbescheuert. Man schimpfte auf sie und nahm sie nicht wirklich für voll. Heute stehen die Dinge etwas anders, im Prinzip ist alles beim Alten geblieben was einen Teil der Probleme die man heute mit Jugendlichen hat erklärt. Einen qualitativen Unterschied zu früher gibt es aber schon. Inzwischen hat man manchmal sogar echte Angst vor ihnen, und genau das beunruhigt viele Erwachsene, zu Recht.
Schließlich haben das doch viele von uns früher gemacht auch wenn es die allerwenigsten gerne zugeben würden. Wir haben uns an ihnen versündigt, damals als wir selbst noch jung und doof waren…an den Klassenloser!
In die Mülltonne haben wir sie gesteckt, den Hintern zuerst, die Beine hochgeklappt, dann runter die Treppe mit ihm. Blöde Sprüche waren das mindeste, die Typen haben es doch nie besser verdient, das war das was wir zu glauben wußten. Wir waren Schweine und es kam selten, sehr selten vor das ein Erwachsener uns gestoppt hat. Wundert es einen nicht das manchmal eines dieser Opfer zum Täter wird? Wundern wir uns alle wirklich darüber das angesichts der Geringschätzung, Überheblichkeit und Arroganz mit der man jungen Menschen gegenübertritt einer von ihnen uns irgendwann die Stirn bietet und im Zuge dessen ganz schön Angst einjagt? Glauben wir wirklich das unser rücksichtsloses Handeln für immer ohne Konsequenzen bleibt, das wir für unser eigenes Handeln nie zur Rechenschafft gezogen werden? Wir haben diese Monster selbst erschaffen und lügen uns nach wie vor gegenseitig die Taschen voll, und selbst wenn man an den Eiern gepackt wird und nicht mehr entkommen kann dann hat man es doch nur gut gemeint.
Solange wir uns als Gesellschaft weiterhin konsequent von unserer Verantwortung wegdrehen, sie unerledigt an die nächste Generation weiterreichen, solange versündigen wir uns an unserer Zukunft. All dieses hohle Geschwätz um Verbote und Kontrollen, es ist nur Augenwischerei und eine dreiste Verhöhnung der Opfer und ihrer Angehörigen.
März 16, 2009 um 4:39
AMEN!
März 17, 2009 um 11:46
Irgendwann hat man dieses Dummgeschwätze von den sogenannten Experten und „Betroffenen“ aus der Politik satt. Kein einziger von diesen Pfeifen interessiert sich doch ein Stück für die Jugend, wie auch, sie haben ja kein Plan davon. Und das ist den ihr größtes Problem und deswegen wird sich auch erstmal nichts ändern.